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Gedanken zu Thema Hundeerziehung
Es gibt im Bereich Hundeerziehung viele Fragen, Meinungen und unterschiedliche Ansätze.
In meinem Blog gebe ich Ihnen Einblicke in die Aspekte meiner Erziehungs-
Philosophie und Beispiele aus meiner Arbeit mit Hunden.
Dominanz, ein böses Wort
Border Collies
und das Missverständnis um deren Auslastung
Verhaltensmuster oder: wie Hunde auf Reize
reagieren können
Dominanz
Ein böses Wort
In unseren heutigen Gesellschaft tun wir uns mit dem Begriff Dominanz unwahrscheinlich schwer. Es ist ein Begriff, der Unfreiwilligkeit, Unterdrückung, Mangel an Freiheit und Aggression suggeriert.
Bei genauerem Hinsehen müssen wir allerdings erkennen, dass Gruppenbeziehungen ohne Dominanz nur in den seltensten Fällen funktionieren, denn unterschiedliche Interessen sorgen dafür, dass wir unseren Anspruch geltend machen. In unserer Arbeitswelt sowie in unseren Familien treffen wir täglich auf diese Situationen.
Dominanz in einer Beziehung regelt das Zusammenleben und vermeidet so immerwährende Streitigkeiten und Machtkämpfe. D.h. es entsteht eine innere Ordnung und jeder Beteiligte weiß um seine Rolle und seine Aufgaben.
Wir müssen hierfür nur die Struktur eines Wolfsrudels betrachten. Die Leittiere sind weit davon entfernt, ihre Rudelmitglieder Tag ein, Tag aus zu drangsalieren. Sie setzten in gewissen Dingen, wie z.B. bei der Fressreihenfolge, der Jagd- und Territoriumsverwaltung klare Grenzen und regeln das Zusammenleben souverän.
Ein Rudelmitglied, das permanent gegen Leittiere aufbegehrt, wird die Gruppe irgendwann verlassen müssen. Es bringt zu viel Unruhe in die Gruppe und stört somit das geregelte Zusammensein der Gemeinschaft.
Ein Wolf, der um seinen Status und seine Aufgaben weiß, kann sich auf den Schutz durch das Rudel verlassen.
Natürlich wird dieser Wolf immer bestrebt sein, seinen Satus zu verbessern. Das ist auch sinnvoll, denn sollte eines der Leittiere einmal krank sein oder altersschwach, muss die Rolle neu besetzt werden. Derartige Vorstöße werden von einem fitten und souveränen Leittier aber umgehend erkannt und geahndet. Die Dominanzstruktur ist wieder hergestellt.
In unserem Zusammenleben mit dem Hund sollte es sich ähnlich verhalten.
Wir müssen um diese Beziehungsstrukturen wissen und sie mit dem Hund kommunizieren, und so können wir sie in unsere Beziehung einfließen lassen. Der Hund kann sich dann in seiner Rolle entspannen und uns in schwierigen Situationen die Problemlösung übertragen. Der Mensch ist verantwortlich, der Mensch wird es regeln.
Im Umkehrschluss hat der Hund dann auch mehr Freiheiten, denn hat er erst einmal den Leitanspruch des Menschen akzeptiert, wird er Kommandos auch zuverlässiger ausführen.
Bei alle dem geht es nicht um permanentes Ausüben von Druck und Gewalt, sondern um den alltäglichen Nutzen solch einer Beziehungsstruktur.
Man kann den Hund auch mit reiner Leckerli- Konditionierung trainieren, aber wir erniedrigen den Hund zu einem Wesen, das rein durch Bestechung zum Funktionieren angehalten wird. Dabei ist der Hund ein äußerst sozial-intelligentes Wesen, das sehr wohl verstehen kann, worum es in einer Dominanzbeziehung geht.
Alleine die Gabe von Leckerli kann das nicht leisten, und früher oder später kommt man an ein Problem, das man mit Futter nicht mehr lösen kann.
Das trifft besonders bei Interessenkonflikten zu. Der Hund will dem Hasen nachjagen, der Mensch will, dass er das nicht tut. Bin ich bei meinem Training permanent auf der Suche nach Anreizen, die dem Hund besser gefallen könnten, als das selbstbelohnende Hasenjagen, so werde ich irgendwann damit scheitern. Diese Anreize können nicht ständig optimiert werden und der Hund wird sich eines Tages für die reizvollere Beschäftigung entscheiden.
Hat der Hund aber verstanden, dass der Mensch den Führungsanspruch hat, so wird er kommen. Natürlich braucht es auch dafür ein Training mit Souveränität und Konsequenz in Situationen mit Interessenskonflikten. Da es eben auch situationsabhängig ist, handelt es sich nicht um permanente Dominanz.
Kommt der Hund zu mir zurück, wird natürlich auch ausgiebig, gerne auch mit Leckerli, belohnt.
Je nach fressfreudigem Hunde-Typ mag es auch mit der Leckerli-Bestechungsvariante funktionieren, bei etwas charakterstärkeren Hunden wird man aber schnell an seine Grenzen stoßen; auch wenn man noch so lange übt und das Leckerli nicht mehr hoch- wertiger sein kann.
Was sind nun die Vorteile einer solchen Beziehung:
Der Hund hat letztendlich mehr Freiheiten. Er darf austesten und auch mal nett bis an die Grenze gehen. Kommt es aber zu einem starken Interessenskonflikt, so hat der Hund gelernt, wann es gilt, die rote Linie nicht zu überschreiten.
Hunde orientieren sich gerne an Menschen, die ihnen durch klare Kommunikation souverän und ruhig ihren Platz im Rudel anweisen.
Haben sie ihre Menschen erstmal als Leittier akzeptiert, sind sie auch leichter zu trainieren.
Die Teambildung hat begonnen und der gemeinsame Weg wird harmonischer und schöner.
Border Collies
und das Missverständnis um deren Auslastung
Wenn ich mit meinem Border Collie Gassi gehe, höre ich von anderen Hundebesitzern oft den Satz: " Ein Border Collie? Ich hätte nicht den ganzen Tag Zeit, so einen Hund zu beschäftigen."
Erst kürzlich habe ich in einem Artikel ( "Ein Tierarzt verrät, welche zehn Hunderassen er sich nicht zulegen würde" von Sophie Kluß) im Münchener Merkur über Border Collies gelesen: ..."Ihr Gehirn braucht konstante Stimulation, sie wollen arbeiten, und wenn sie nicht durchwegs beschäftigt werden, können sie schnell durchdrehen. Ich habe schon Kollegen gesehen, die sehr ängstlich waren oder zwanghaftes Verhalten entwickelt haben, wie etwa sich dauernd im Kreis zu drehen."
Natürlich muss ein Border Collie (wie übrigens alle Hunde) beschäftigt werden, und man kann ihn zugegebener Maßen auch unterfordern; aber hört man auf den Rat dieses Tierarztes und setzt den Hund einer konstanten Stimulation aus, dann sind die Verhaltensprobleme geradezu gesichert.
Warum? Das werde ich Ihnen jetzt erklären.
Border Collies sind eine geniale Rasse. Durch selektive Zuchtauswahl entstand ein Hütehund, der seinesgleichen sucht.
Diese Hunde lernen extrem schnell (leider auch Dinge, die uns Menschen nicht so gut gefallen ;-) ), sind ihrem Halter sehr zugetan, arbeiten selbständig auf große Distanz, laufen während ihrer Hütearbeit bis zu 60 km am Tag, haben eine Sehfähigkeit, die bis auf 900 Meter kleinste Bewegungen erkennt und reagiert blitzschnell auf jeden Reiz.
Hat man schon mal das Glück gehabt, einem Schäfer bei der Hütearbeit mit seinem Border Collie zuschauen zu können, dann wird einem aufgefallen sein, dass diese Hunde aufs Wort (bzw. auf jeden einzelnen Pfiff) gehorchen, die geforderte Aktion umgehend akkurat ausführen und sich durch nichts um sie herum von ihrer Arbeit ablenken lassen. Diese Fähigkeit verdanken sie ihrer mentalen und körperlichen Ausdauer, ihrer Reaktionsfähigkeit und ihrem ´will to please´ dem Schäfer gegenüber, der seinen Hund natürlich auch bestens ausgebildet hat.
Nun werden manche einwenden, dass man genau aus genannten Gründen einen Border Collie permanent beschäftigen müsse, denn diese Arbeit am Vieh müsse ja irgendwie ersetzt werden.
Dann stellen sie sich bitte folgendes Szenario vor: Ein Schäfer möchte zu Beginn der Wintermonate seine Schafherde einstallen. Die Schafe sind auf einer riesigen Weide verteilt und teilweise hinter Büschen und Bäumen versteckt.
Der Schäfer schickt seinen Hund in den sog. Outrun. Das heißt, der Hütehund läuft einen weitläufigen Bogen um die Schafe herum zum anderen Ende der Weide. Dabei treibt er die Schafe aus den Büschen zu den anderen Schafen und schließlich wird er die ganze Schafsherde auf den Schäfer zutreiben, während er gleichzeitig die linke und die rechte Seite sichert, damit einzelne Schafe nicht ausbrechen.
Zusammen mit dem Schäfer wird er nun die Schafe in den Stall treiben, der Stall wird geschlossen und wird sich erst im Frühjahr zur neuen Weidesaison wieder für die Schafe öffnen.
Und der Border Collie? Er hatte an diesem Tag eine Stunde Arbeit und die nächsten 4 Monate wird er dem Schäfer ab und zu helfen, einzelne Schafe für Pflegemaßnahmen zu separieren, wird aber sonst nicht viel zu tun haben.
Nun habe ich aber noch keinen Schäfer kennen gelernt, der währen der Wintermonate mit seinem Hund zum Hundeverein geht um dort Agility oder Obedience zu machen.
Für den Hund ist das auch gar nicht notwendig. Denn er hat von seiner Welpenzeit an eines gelernt: und zwar RUHE zu geben.
Das hat mir auch ein Schäfer geraten, als ich mir meinen ersten Border Collie holte: "lerne deinem Hund von Anfang an Ruhephasen einzuhalten. D.h. 18 bis 20 Stunden am Tag. Denn der nächste Winter kommt bestimmt. Und dein Hund soll ja dann nicht durchdrehen."
Das heißt jetzt wiederum nicht, dass der Hund 2 bis 4 Stunden am Tag dauerbespaßt werden muss. Diese Zeit beinhaltet vielleicht eine Stunde Gassi gehen, verbunden mit diversen Trainings- und Spaßeinheiten und etwa 20 Minuten mentales Training, in Form von Tricks, Longieren, Suchspielen, Apportieren, Obedience, Agility und vieles mehr.
Den Rest dieser aktiven Zeit nimmt er Teil am Leben seiner Familie und begleitet sie beim Einkaufen oder beim Stadtbummel.
Ab und an eine Bergtour oder ein anderer mehrstündiger Ausflug nimmt der Border Collie dankend an. Ruhephasen, die auf aktive Zeiten folgen, kompensieren den Erregungsgrad wieder und sorgen für Ausgeglichenheit.
Denkt man über das oben genannte Szenario nach, so wird man verstehen, dass konstante Stimulation und permanente Beschäftigung eines aus unserem Border Collie machen: einen Workerholic, der durch durchgehende Reizüberflutung nicht mehr zur Ruhe kommen kann und deshalb Ängste und Verhaltensauffälligkeiten entwickelt, die das Zusammenleben mit diesem Hund zur Hölle machen können.
Nur, weil jemand Tiermedizin studiert hat, ist er noch kein Experte für jede Hunderasse. Wenden Sie sich bei Fragen bitte an Zuchtverbände, Schäfer oder Hundetrainer, die Hütehund-Erfahrung mitbringen.
Ansonsten können Zeitungsartikel wie oben beschrieben, unserem Border Collie großen Schaden zufügen.
Verhaltensmuster
oder: wie Hunde auf Reize reagieren können
Von Natur gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Hunde auf gewisse Reize reagieren können. Das schließt auch ihre Reaktion auf unsere Kommandos mit ein.
Wichtig ist es nun für uns Hundehalter, diese Muster zu erkennen, um adäquat darauf reagieren zu können,
Flucht (manchmal der einzige Weg)
Will der Hund fliehen, dann möchte er einer Situation schnellst möglich entkommen.
Silvesterkrach, Stromzaun, herabfallende Gegenstände... und im schlimmsten Fall der zornige Hundehalter, der seinen jagenden Hund nach vergeblichem Rückruf wutentbrannt in Empfang nehmen will... Das sind einige der Gründe, warum eine Hund das Weite suchen möchte. Im besten Fall ist die Beziehung des Hundes zu uns so gut, dass er bei uns Schutz sucht. Der sollte ihm natürlich auch gewehrt werden.
Körperliche Anzeichen eines Hundes, der an Flucht denkt, sind eine eingezogene Rute, nach hinten zeigende Ohren, große Augen, Mundwinkel, die nach hinten gezogen sind und ein gekrümmter Rücken. Der ganze Körper neigt sich rückwärts.
Ab und zu lässt der Hund auch noch eine Wimmern oder Jaulen hören.
Der Hund sollte diesen Fluchtimpuls möglichst selten erfahren. Ganz lässt sich das natürlich nicht vermeiden. In diesem Fall kann man von Glück reden, wenn die Beziehung zwischen Hund und Halter schon so stark ist, dass der Hund sich von seinem Halter beschützt weiß. Ansonsten ist im täglichen Umgang Management gefragt, damit fluchtauslösende Situationen gar nicht erst entstehen: Eine sichere Umgebung, eine Leine, die ihn von Gefahren abhält und ein 'Nicht zu viel auf einmal'
schaffen für den Hund einen entspannte Atmosphäre.
Eine Situation, der der Hund schon einige Male entfliehen konnte, ist schwer wieder ins Positive umzutrainieren.
Passivität (oder ein gewisses l.m.a.A. Verhalten)
Der Hundehalter sendet an seinen Hund eine Aufgabe, der Hund hebt bestens Falls den Kopf, schaut etwas teilnahmslos, um den Kopf gleich wieder abzulegen und entspannt weiter vor sich hinzudösen.
Einerseits kann man sich glücklich schätzen, einen Hund zu haben, der sich nur schwer aus der Ruhe bringen lässt. Andererseits ist dieses Verhalten durchaus auch eine Art der Abwehr. Der Hund lässt seinen Halter im wahrsten Sinne des Wortes auflaufen.
Die körperlichen Anzeichen entsprechen denen eines entspannten Hundes: ruhige Atmung, langsamer Lidschlag, Rute bewegungslos, Ohren beweglich, denn er will ja auch nichts verpassen... Ein durch und durch gechillter Hund eben.
Passivität ist aber nicht zwingend immer ein Ausdruck dafür, dass dem Hund alles egal ist. Es kann auch eine Form von Stress sein, der den Hund in einer gewissen Position verharren lässt. Darum ist weniger oft mehr.
Der Hund sollte mit seinem Verhalten auf keinen Fall durchkommen. Es erfordert eine gewisse Beharrlichkeit seitens de Halters, mit Geduld, Freundlichkeit und angemessener Motivation den Hund aus seinem Phlegma zu locken und zur Mitarbeit zu bewegen.
Unterwürfigkeit (auch ein Mittel zum Zweck)
Wer kennt es nicht? Der Hundehalter gibt ein Kommando, der Hund ignoriert es. Der Halter korrigiert mit einer gewissen Intensität, worauf der Hund sich abduckt, die Rute einzieht und verschämt auf die Seite schaut. Der Hundehalter denkt, er wäre zu hart gewesen und beschwichtigt seinerseits. Schwups, schon ist (vielleicht) eine neue Strategien des Hundes geboren. Der Hund hatte Erfolg damit. Diese Reaktion ist also ausbaufähig.
Es ist schwer aber dringend nötig, den Unterschied zu erkennen, ob es sich bei diesem Verhalten um eine Strategie des Hundes handelt, oder ob er vielleicht wirklich gerade in der Klemme steckt. Dafür muss man seinen Hund kennen und emotionsfrei lesen können. Ist es ersteres, dann muss man einen Weg finden, dem Hund diese Form der Abwehr abzugewöhnen.
Bedrängen oder Wegdrängen
Ohne dieses geht es nicht in unserem Leben.
Dabei ist es in positiver, als auch in negativer Form in jeglicher Beziehung enthalten.
Positiv werden wir beispielsweise bedrängt, wenn der Hund mit unserem Einverständniss seine Streicheleinheiten abholen möchte, er unsere Nähe sucht, ohne uns auf die Nerven zu gehen. Das Anspringen von Besuchern geht dann eher in die negative Richtung.
Auch aggressives Bedrängen gehört natürlich auf die Liste. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Jagdverhalten oder auch um Angriffe, egal, ob defensiv oder offensiv.
An der Leine ziehen ist ein Beispiel fürs Wegdrängen.
Was wir daraus ersehen können, handelt es sich bei diesem Verhaltensmuster immer um eine Distanzveränderung: beim Bedrängen betreten wir den Individualbereich unseres Gegenübers, beim Wegdrängen will ich Distanz zwischen mich und mein Gegenüber bringen.
An der Körpersprache des Hundes kann man mit einiger Erfahrung ablesen, ob es sich um positives oder negatives Bedrängen handelt:
Beim positiv bedrängenden Hund wedelt quasi der ganze Hund, der Körper ist weich, die Ohren bewegen sich in alle Richtungen. Die Atmung ist gleichmäßig, das Maul ist beweglich, und die Augen sind entspannt.
Beim negativ bedrängenden Hund ist die Rute gerne in der waagrechten, das Maul ist zugekniffen oder geöffnet mit runden Mundwinkeln, der Hund züngelt nach vorne zwischen denn Schneidezähnen hindurch, die Ohren zeigen unbeweglich nach vorne, der Körper ist vorne aufgerichtet und steif, die Nackenhaare sind aufgestellt und die Augen sind aufgerissen und fixieren das Gegenüber.
Bedrängen und Wegdrängen gehören zu unserem Zusammenleben. Der Mensch muss entscheiden, wann und wo er es zulässt und wann er es korrigiert.
Kontakt
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Carola Handy: 0179-1457067 oder e-mail
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Chiemgauer Hundeschule zur Verfügung
Tel. 08621/648444